Und es ist mal wieder Trump

Die USA hat gewählt… das Ergebnis kann sich mancher Europäer kaum vorstellen: Wie konnte diese Trump-Figur wieder mal an die Spitze eines Landes aufsteigen… an die Spitze des mächtigsten Landes dieser Welt? Während man fassungslos vor der Polemik in diesem Wahlkampf und auch vor den schmutzigen Hintergründen dieser Person Trump steht, fragt man sich, warum hat er so viel Unterstützung aus dem US-amerikanischen Volk bekommen?

Wenn man sich mal anschaut, was dieses „Wesen“ an Prozessen mit sich führt: Schweigegeld für einen Pornostar… Sturm auf das Kapitol, also übersetzt: Aufruf zur illegalen Machtergreifung… Geheimdokumente aus dem Weißen Haus mitgenommen nach Niederlegung des Amtes… Aufbau einer Verschwörungstheorie wegen Wahlbetrug – als letzte Headlines.

Man stelle sich das mal übersetzt auf Deutschland vor: Frau Merkel nimmt Akten vom Bundesnachrichtendienst kistenweise mit in den Ruhestand, auf denen „geheime Verschlusssache“ steht. Bundeskanzler Scholz pimpert mit einem Pornostar und setzt große Summen dafür ein, dass diese Dame dann seinen Wahlkampf nicht stört. Lindner ruft zur Absetzung des Bundespräsidenten auf und unterstützt eine Alternative, den Reichstag zu stürmen… na ja, jetzt ist er ja raus aus der Regierung und muss als betitelter Querulant für so einiges herhalten. Und Herr Habeck? Na, für den würden wir auch noch etwas finden aus den Trump-Prozessen.

Aber der Kollege in den USA hat alles in sich vereint. Er hat niemand anderen mehr dafür gebraucht, hat alles selbst gemacht… und doch die Menschen begeistert. Vom Drecksack zum Saubermann. Aber was sagt das über die Menschen aus, die gewählt haben? Die Themen Angst und Polarisierung, mit denen er massiv gearbeitet hat, sind wohl tief eingefahren. Die Bevölkerung der USA ist ja eben auch nicht dumm… oder vielleicht doch… irgendwie?

Die steigenden Preise in der Lebenshaltung durch die angestiegene Inflation sind wohl ein tragender Grund für dieses Ergebnis. Breite Armut im reichsten Land der Erde. Hier zeigt sich ein grundlegendes Paradox der US-amerikanischen Gesellschaft: Ein Land, das auf den Prinzipien von Freiheit und Chancengleichheit aufgebaut wurde, scheitert oft daran, diese Werte für die eigene Bevölkerung zu verwirklichen. Trump bietet vielen Amerikanern eine einfache Antwort auf komplexe Probleme: Schuld sind immer die anderen. Ob Migranten, China, oder die vermeintlich „korrupte Elite“ in Washington – er inszeniert sich als einer von ihnen, der mit harter Hand für Gerechtigkeit sorgt.

Doch was steckt wirklich dahinter? Ist Trump nur ein Populist, oder ein strategischer Demagoge, der genau weiß, wie man Menschen lenkt? Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem. Er hat ein untrügliches Gespür dafür, was die Menschen hören wollen, und scheut sich nicht davor, die Wahrheit zu verbiegen, um dieses Bedürfnis zu erfüllen.

Der Glaube an die Wahrung der „wahren amerikanischen Werte“ und an „mehr Demokratie“… Wahnsinn. Der Reaktionismus und die Lügen von „dem da“ sind eins zu eins nachweisbar. Das ist aber auch kein Thema, das neu entworfen wurde. "In dem Punkt gilt wohl die alte Brecht-Devise, dass das Fressen vor der Moral kommt." „Brot und Spiele“ für das Volk bei den Römern… Tötungen inklusive… Christenverfolgungen als brennende Fackeln… so haben die Kaiser ihr Volk befriedet.

Dieses „Brot-und-Spiele“-Prinzip funktioniert bis heute, nur subtiler: Statt Gladiatorenkämpfen und blutigen Spektakeln gibt es heute mediale Inszenierungen, die die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen ablenken. Trumps Strategie, ständig neue Skandale zu erzeugen, ist Teil dieses Spiels. Denn während sich die Öffentlichkeit über Pornostars, Geheimdokumente und Twitter-Tiraden aufregt, bleibt kaum Zeit, um sich mit den eigentlichen politischen Entscheidungen auseinanderzusetzen.

Nun, und schließlich kann man sich vorstellen, dass Trump auch manches gelingen könnte… er kann „gut werden“ für seine Wähler. Und für schnelle finanzielle Entlastungen sorgen. Also, ich bin ja kein Politikwissenschaftler, aber klar ist schon alleine: In die Ukraine hat die USA wohl bisher ca. 70 Milliarden gesetzt, weitere 45 Milliarden sind zugesagt. Kann die USA das hier stoppen, dann können diese Gelder durchaus in schnell sichtbare Subventionspakete im eigenen Land laufen. Das merkt man als Bevölkerung, wenn Benzin und Einkäufe wieder günstiger werden. Und… die Ukraine ist für die USA weit weg… genauso wie Nahost, Konflikte in Afrika oder sonst wo in der Welt, wo bisher die US-Milliarden verbrannt werden.

Doch was bedeutet das für die Welt? Ein „Einfrieren“ des Ukraine-Krieges wäre in erster Linie ein geopolitischer Sieg für Russland. Trump würde diesen Schritt nicht aus strategischen Überlegungen machen, sondern, weil es ihm kurzfristig politisch nützt. Das Problem: Ein solches Handeln würde die internationalen Spielregeln untergraben und langfristig die Position der USA als Weltmacht schwächen.

Ein Demokrat würde so etwas aus Menschenrechtsgründen niemals machen… Trump aber selbstverständlich. Er macht Deals. Gut für ihn, nicht für die Welt… nicht für Menschenrechte. Bestehen kann, wer auf seiner Linie läuft. Protektionistische Zölle werden sofort die amerikanische Wirtschaft stützen… für Jahre. Danach im Verlauf werden Schwierigkeiten kommen, weil der Rest der Welt ja auch nicht dumm ist und entsprechend kontert mit ebenfalls Zöllen und anderen Absatzmärkten. Hallelujah… aber bis dahin hat er erst mal wieder tolle Ergebnisse geschaffen… und einen Heiligenschein bekommen. Und Deutschland verliert hier übrigens gehörig. Unser Wohlstand kommt nämlich aus dem Export. Wir liegen damit auf der direkten amerikanischen Abschusslinie.

Hasstiraden gegen Minderheiten aufzubauen, mit Themen wie „Die fressen eure Haustiere auf“… das ist einfach mehr als an der Sache vorbei. Das ist für mich persönliche Charakterschwäche des Menschen, der das rauslässt. Wie viele Menschen werden hier aus solchen verbalen Übergriffigkeiten wieder sterben müssen, weil sie aus solchen Hassgründen von den „wahren Amerikanern“ getötet werden? Herzlichen Glückwunsch. Diese Art von Rhetorik zeigt, wie leicht Sprache zu einer Waffe werden kann. Sie baut nicht nur Fronten auf, sondern schafft ein Klima, in dem Gewalt als legitimes Mittel erscheint. Und hier schließt sich der Kreis: Es liegt an uns, ob wir als Gesellschaft auf diesen Weg einschwenken – oder ob wir an Respekt, Menschlichkeit und demokratischen Werten festhalten.

Wir Deutschen wie die Amerikaner hatten mal Politiker, die waren in der Sache hart und im Umgang mit Weitblick – und immer im Rahmen des Respekts vor Menschen. Dafür haben wir als Volk nach dem Krieg Jahrzehnte lang gearbeitet und gekämpft. Warum? Weil vorher aus dieser Massenpsychologie am Volk schreckliche Dinge entstanden sind. Und gelitten haben immer die einfachen Menschen… und gestorben sind sie auch dafür – bis heute – für die Ideen der Könige, Kaiser und Machtpolitiker…